Malerisches Baltikum

Liebe Alle,

ihr werdet euch sicher an unsere kleine Eskalation der Verwendung des Wortes „malerisch“ im Beitrag über die Lofoten erinnern. Seitdem habe ich mich damit ja sehr zurück gehalten.

Aber jetzt ist es wieder soweit: Alles was wir bisher hier im Baltikum gesehen haben, ist wirklich außerordentlich malerisch: Malerische Landschaften, malerische Dörfer und malerische Stellplätze. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir die letzten Tage sehr viel Wetterglück hatten. Es war total spätsommerlich warm und meistens sonnig. Ein Traum!

Nach unserem Ausflug in den Kurort Happsalu sind wir weiter die estnische Westküste entlang gefahren und schließlich in der Stadt Pärnu gelandet und dort am Sandstrand entlang spaziert.

Weiter ging es in den Soomaa Nationalpark um einen Rastplatz für die Nacht zu finden. An einem der zahlreichen Schotterwege (man wird hier immer gut durchgeschüttelt) haben wir dann einen super schönen Parkplatz entdeckt, der mit einem Picknicktisch, einer Feuerstelle und (nicht ganz unwichtig) einem Klo ausgestattet war.

Unsere Outdoor-Küche

Ein bisschen dunkel geraten, aber hier die kleine Fotostrecke „Die Burrito-Problematik“:

An diesem Platz konnten wir nicht nur wunderbar kochen und essen, sondern endlich zum ersten Mal auf dieser Reise ein Lagerfeuer machen. In Schweden und Norwegen herrschte permanent Feuerverbot und in Finnland hatten wir nie Plätze mit Feuerstellen. Aber irgendwie gehört so ein Lagerfeuer zu einem Campingurlaub doch dazu!

Am nächsten Morgen waren wir erst entlang des Biberpfads im Nationalpark spazieren, danach haben wir den restlichen Tag im Auto verbracht und einige Kilometer zurückgelegt. Die Landstraße war unfassbar malerisch: In langen Kurven hat sie sich durch die Landschaft geschlängelt, vorbei an Feldern, Dörfern und Laubwäldern. Gesäumt war die Straße meistens von großen Eichen oder Obstbäumen an denen die reifen Äpfel leuchteten. Pure ländliche Idylle!

Während wir also in dieser malerischen Landschaft munter vor uns her gefahren sind, haben wir fast ohne es zu merken die Grenze zu Lettland passiert. Auf den ersten Blick ist uns kaum ein Unterschied zwischen den beiden Ländern aufgefallen. Jetzt nach ein paar Tagen kommt es uns aber so vor, als ob Estland doch etwas moderner als Lettland sei.

Die nächste Nacht haben wir im Gauja Nationalpark verbracht, dem größten Nationalparks des Baltikums. Wieder haben wir einen sehr schönen Stellplatz gefunden. Es war so warm, dass wir sogar im Fluss Gauja baden konnten. Wie wir später erfahren haben, waren diese Herbsttage die wärmsten in Lettland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Den Freitagvormittag haben wir dann damit vertrödelt den Parkplatz für die Wanderung zu den Adlerfelsen zu suchen. Wir haben uns ständig verfahren, standen bei irgendwelchen Familien auf dem Bauernhof oder kamen an manchen Wegen einfach nicht weiter. Irgendwann haben wir es doch geschafft, nur um festzustellen, dass die „Wanderung“ lediglich ein Mini-Spaziergang von 15 Minuten war. 😉

Da wir diesen Punkt des Tagesprogramms schnell abgehakt haben, sind wir noch zur Burg Turaida in Sigulda gefahren.

Das eigentliche Ziel an diesem Tag war ein Campingplatz um Wasser aufzufüllen und das erste Mal seit Helsinki wieder zu duschen. Ich könnte bestimmt einen ganzen Beitrag dazu schreiben, wie sich auf so einer Reise das Bild von Hygiene wandelt. Wie oft ist Duschen wirklich nötig, wenn man eigentlich kaum Kontakt zu anderen Menschen hat? 😀 Eine Sache aber für alle die vielleicht mal etwas Ähnliches planen: Ein Pony ist das Schlimmste was man haben kann. Es steht nach dem Aufstehen in alle Richtungen vom Kopf ab und sieht einfach immer furchtbar aus. 😀 Einmal habe ich es bereits nachgeschnitten, weil ich nichts mehr sehen konnte…mit der Mini-Schere von Raimunds Leatherman. Für die Umstände hat es aber ganz gut geklappt, würde ich sagen.

Die Suche nach Dusch-Möglichkeiten ist seit Anfang September übrigens deutlich schwieriger geworden, da die meisten Campingplätze jetzt geschlossen haben. Durch unsere App haben wir aber einen Platz in der Nähe von Riga gefunden, der noch geöffnet haben sollte. Dort angekommen waren wir dann doch etwas verwundert: Der Platz lag direkt neben der Hauptstraße und war irgendwie auch kein Campingplatz, sondern der Vorgarten eines überdimensionierten Hauses. Da war es aber auch schon zu spät, denn der Besitzer hatte uns schon entdeckt. Ein Gespräch später waren wir auch schon eingecheckt und am nächsten Morgen zum Pancake-Essen eingeladen. Es war schräg, aber auch total nett. Eigentlich war es mehr ein Bed and Breakfast mit dem Unterschied, dass wir nicht im Haus, sondern davor geschlafen haben. 😉 Den Abend haben wir mit Duschen, Wäsche waschen und Tischtennis spielen verbracht. Leider war ich so verwirrt von dem ungewöhnlichen Ambiente, dass ich gar kein Foto von unserem Stellplatz gemacht habe.

Am nächsten Morgen gab es um halb 8 Pancakes. Den Frühstückstisch haben wir uns mit einem anderen Deutschen geteilt, der beruflich viel in Nordeuropa unterwegs ist. Es war ganz spannend sich mit ihm und unserem Gastgeber zu unterhalten und so etwas mehr über die einzelnen Länder zu erfahren. Sie sind beide überzeugt davon, dass sich das Baltikum in den nächsten 10 Jahren durch die jungen Generationen stark wandeln wird. Wer also das „ursprüngliche“ Baltikum kennen lernen möchte, sollte es bald machen. Denn wie überall, gibt es auch hier einen ständigen Drang zur Globalisierung.

Nachdem wir noch zahlreiche Tipps für Riga bekommen haben, sind wir Richtung Hauptstadt aufgebrochen. Dort haben wir uns die riesigen Markthallen angeschaut, die früher mal eine Zeppelinfabrik waren, einige Kirchen, den Rathausplatz und die Wachablöse am Freiheitsdenkmal. Riga ist touristisch etwas ruhiger als Tallinn. Uns persönlich hat Tallinn besser gefallen, aber auch Riga ist sehenswert und lebendig.

Die Erste von insgesamt vier riesigen Zeppelin-Markthallen
Der Rathausplatz

Das Freiheitsdenkmal

Auch hier gibt es die Bremer Stadtmusikanten (Bremen und Riga sind nämlich Partnerstädte)

Seit gestern hat es deutlich abgekühlt und wir haben wieder die dicken Pullis aus unserem Busschränkchen geholt. Es ist jetzt nur noch eine Woche bis wir in Wien ankommen. Heute werden wir die Grenze zu Litauen erreichen, dort noch ein paar Tage verbringen und dann weiter nach Polen fahren.

Malerische Grüße von Franzi & Raimund

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2 Gedanken zu “Malerisches Baltikum

  1. Nur ein Glas Wasser

    „(,,,) Picturesque meant – he decided after careful observation of the scenery that inspired Twoflower to use the word – that the landscape was horribly precipitous. Quaint, when used to describe the occasional village through which they passed, meant fever-ridden and tumbledown.
    Twoflower was a tourist, the first ever seen on the discworld. Tourist, Rincewind had decided, meant ‘idiot’. (…)“
    (Terry Pratchett, The Color of Magic)

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