Unendliche Wälder, viele Seen und zwei Weihnachtsmänner

Hyvää iltaa aus den Wäldern Finnlands,

seit ein paar Tagen sind wir jetzt hier in Lappland, dem nördlichen Landesteil.

Die karge Landschaft Norwegens wurde direkt beim Überqueren der Grenze von dichten Nadel- und Laubwäldern abgelöst. Seit diesem Zeitpunkt sehen wir kaum etwas anderes als Bäume, Seen und manchmal ein Rentier, das sich auf die Straße verirrt hat. Es riecht nach Herbst und ganz besonders nach Pilzen. Die wachsen hier nämlich überall. Leider haben wir noch keine Pfifferlinge entdeckt, dafür aber ganz viele Fliegenpilze.

Der Herbst ist da!

Um uns zu akklimatisieren, haben wir natürlich erstmal einen finnischen Supermarkt aufgesucht. Durchs Essen lernt man eine Kultur doch bekanntlich am besten kennen. 😉 Und der Besuch war sehr aufschlussreich: Die Finnen scheinen Lakritz wirklich zu lieben. Es gibt hier Schokolade mit Lakritz, Eis mit Lakritz, Joghurt mit Lakritz,…alles mit Lakritz. Zu unserem Glück (wir sind nämlich nicht so die Lakritz-Fans) mögen sie auch Karamell ganz gerne. Zweimal gab es für uns jetzt deshalb schon leckeres Karamelleis. Zu unserem Verhängnis gibt es hier immer noch die langen Süßigkeitenregale mit Selbstbedienung. Außerdem ganz viel Roggenbrot und Joghurt im Tetrapack.

Sprachlich verstehen wir hier übrigens ziemlich wenig. Die Städtenamen können wir kaum aussprechen und auch keine Straßenschilder lesen. Nur im Supermarkt versteht man erstaunlich viel. Die Finnen haben eine Vorliebe für doppelte Buchstaben, Umlaute und den Buchstaben „i“ am Schluss. So heißt „Tomate“ z.b. „tomaatti“. Irgendwie süß 🙂

Auch ein schönes Beispiel

Mittlerweile sind wir schon im Süden Lapplands angekommen. Das liegt zum einen an den guten Straßen, zum anderen an der Kälte. Hier ist es nämlich nochmal deutlich frischer als in Norwegen. In der Nacht mutieren wir zu zwei Eisklötzen und morgens ist uns dann zum Glück wieder warm, deshalb fällt das Aufstehen umso schwerer.

Morgendliche Nebelwelt

Auf unserem Weg durch Lappland gab es ganz vereinzelt auch ein paar Attraktionen, die wir uns nicht entgehen lassen wollten: Unser erster Stopp war ein altes Goldgräberdorf, in dem man sogar Gold waschen kann. Es empfing uns mit gähnender Leere. Graues Wetter, ein einsamer Dorfplatz und geschlossene Fensterläden. Es hätte eigentlich nur noch so ein Western-Strohballen über den Platz geweht werden müssen und das Bild wäre perfekt gewesen. Und dort, an diesem einsamen Ort, haben wir den deprimierten Geologen kennengelernt. Er führt dort einen kleinen Laden mit Gold und besonderen Steinen und ist gebürtiger Berliner. Er berichtete uns lang und breit von der schlechten Saison, davon, dass sich kaum noch Deutsche in diesen Teil von Finnland verirren würden und sich sowieso niemand mehr für Steine interessiert. Unser Kommentar, dass in Norwegen noch ganz viele Deutsche rumfahren, war dann doch eher ungünstig. Das hat ihn nämlich in eine mittelschwere Krise gestürzt. Nach diesem Gespräch waren wir dann irgendwie auch ziemlich deprimiert und haben uns wieder auf den Weg gemacht.

Als nächstes haben wir uns Lapplands größte Stadt Rovaniemi angeschaut. Dort haben wir im Arktikum viel über das Leben in der Arktis gelernt und waren auf einem internationalen Markt.

Wir sind übrigens wirklich sehr schnell wieder Richtung Süden gefahren. Das haben wir daran gemerkt, dass wir in Rovaniemi erneut den Polarkreis überschritten haben (im wahrsten Sinne des Wortes…höhö).

Dort wird das Ganze allerdings deutlich anders zelebriert als auf der windigen Einöde in Norwegen. Hier befindet sich nämlich direkt am Polarkreis das Zuhause vom Weihnachtsmann! Ein richtiges Santa Claus Dorf ist dort aufgebaut. Zahlreiche Häuschen mit Türmchen, Weihnachtsmusik aus blechernden Boxen und einige völlig aufgedrehte Frauen, die als Elfen verkleidet umher hüpfen. 😀 Im Winter ist das bestimmt DIE Attraktion! Uns fiel es mit Sonne und 17 Grad doch etwas schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen. In den Häusern kann man alle mögliche Weihnachtsdeko kaufen, Weihnachtspost verschicken und sogar den Weihnachtsmann besuchen. Dieser sitzt dort in seinem Büro und wartet auf Gäste. Völlig hin und weg waren wir vom Geruch in den Häusern: Apfel-Zimt! Da hatten sie uns schon fast. Aber dann haben wir entdeckt, dass es daneben noch ein zweites Weichnachtsmanndorf gibt, in dem man auch einen Weihnachtsmann besuchen kann. Da waren wir dann doch ziemlich irritiert!

Das war das Schild zum zweiten Weihnachtsmann…

Weiter ging es zum Oulanka-Nationalpark an der russischen Grenze. Dort sind wir heute entlang von Stromschnellen gewandert und haben das sonnige Wetter genossen.

Unser Weg führte ein kurzes Stück entlang der „Bärenrunde“, dem bekanntesten Trail Finnland

Alles in allem gefällt uns Finnland! Wälder, Seen und Rentiere sind eine ziemlich gute Kombination. Es ist aber echt kalt (die 17 Grad waren eine totale Ausnahme) und hier gibt trotz Kälte noch erstaunlich viele Mücken. Deshalb machen wir uns jetzt auf den Weg zur Westküste Finnlands. Dort entgehen wir hoffentlich vielen weiteren Stichen und eventuell wird es ja nochmal ein bisschen wärmer weiter im Süden. 🙂

Moi Moi, Franzi & Raimund

Advertisements

6 Gedanken zu “Unendliche Wälder, viele Seen und zwei Weihnachtsmänner

  1. NurEinGlasWasser

    Franzi! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag im bereits wieder wärmeren Süden Finnlands.
    Bin heute endlich mal dazu gekommen wieder etwas aufzuholen in eurem Blog…
    Jana & ich waren vor fast genau 20 Jahren in Rovaniemi / Napapiiri. Beim Weihnachtsmann habe ich mir damals meine Samen-Mütze gekauft (https://web.archive.org/web/20000927070844if_/http://qu.physik.uni-giessen.de:80/~gdc8/BILDER/muetze.jpg, https://web.archive.org/web/20000306212403if_/http://qu.physik.uni-giessen.de:80/~gdc8/BILDER/polarkreis.jpg). Und wir haben ein „Polarkreis-Diplom“ gemacht – das hängt heute noch in meinem Zimmer, ich hoffe, ihr habt euch das nicht entgehen lassen!
    Falls ihr noch in Oulu seit, sagt Bescheid, dann schicke ich euch noch zu einer ehemaligen Kommilitonin von mir ;o)

    Gefällt 1 Person

  2. Gabi und Gerhard

    Hallo Franzi, zu deinem Geburtstag gratuliere ich dir ganz herzlich und wünsche dir alles Gute, viel Glück und Gesundheit. Lass dich feiern und genieße diesen Tag. Ich vermute, dass Raimund dem deprimierten Geologen ein bisschen Gold (oder wenigstens ein paar seiner Steine) abgekauft hat, damit er heute nicht mit leeren Händen dasteht!
    Alles Gute Euch Beiden und liebe Grüße aus Scheer
    Gabi und Gerhard

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s