Am Ende der Welt

Liebe Alle,

es ist offiziell: Wir befinden uns auf dem Rückweg! Es wird zwar vermutlich noch etwa vier Wochen dauern, bis wir wieder in Deutschland sind, aber seit gestern geht es wieder Richtung Süden für uns.

Doch vor dem Bericht über das Ende der Welt erst zu einem anderen schönen Erlebnis, denn in der Nacht auf Samstag ist ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen: Wir haben Nordlichter gesehen! Um Mitternacht bin ich aufgewacht, weil ich vor dem Schlafengehen zu viel Tee getrunken hatte. Unter ganz viel Fluchen bin ich trotz eisigen Temperaturen aufgestanden, habe die Schiebetür aufgemacht und da waren sie plötzlich. Schnell habe ich Raimund geweckt und wir konnten circa 15 Minuten dem Nachthimmel beim Flimmern zuschauen. Es war total faszinierend und anders als alles was wir bisher erlebt hatten. Es wirkte total mystisch. Seit dieser Nacht versuchen wir jede Nacht erneut unser Glück, doch bisher ohne Erfolg. Meistens ist es wohl doch noch zu hell und meistens bewölkt.

Am Samstag und Sonntag sind wir viel gefahren, um bald am Nordkap anzukommen. Zwischenstopp war die Stadt Alta. Dort haben wir eine Nacht auf einem Campingplatz verbracht, um mal wieder Wäsche zu waschen und zu duschen. Absolutes Highlight für uns: Duschen ohne Duschmarken! Wir konnten also solange unter dem Wasserstrahl stehen wie wir wollten ohne uns finanziell zu ruinieren. 😉 Man freut sich über die kleinen Dinge…

Die Landschaften die wir so kurz vor dem Ende der europäischen Welt durchfahren haben, sind karg und fast zivilisationslos.

Vorherrschend sind weitläufige Hügellandschaften mit kleinen Bäumen, herbstlich gefärbten Moosen, Flechten und unzählbar vielen Rentieren. ❤ Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass die Rentierherden hier so zum Landschaftsbild gehören. Aber sie sind überall. Auf den weiten Ebenen, an den Hügeln, zwischen Häusern oder an und manchmal auch auf der Straße. Oft kann man die Herden vor den braunen Hügeln kaum erkennen, aber zum Glück hat jede Herde auch immer einige wenige weiße Tiere, so kann man sie meistens gut orten. Manche Herden sind ganz scheu weggerannt, andere haben ganz entspannt weiter gegrast, wenn ich mich mit der Kamera bewaffnet genähert habe:

Am Anfang haben wir übrigens manchmal erst kurz gedacht, dass die Tiere ausgestopft sind. Einge rühren sich nämlich viele Sekunden lang überhaupt nicht.

Etwa 50 Kilometer vor dem Nordkap verschwinden dann auch die kleinen Bäume, es ist sehr hügelig und neben Gräsern gibt es jetzt auch viel Geröll und Stein. Man fühlt sich in dieser Einöde wirklich wie am Ende der Welt.

Und dann waren wir da! Nachdem wir viel Eintrittsgeld losgeworden sind, durften wir auf einen Parkplatz fahren. Es war schon später Nachmittag und außer uns waren kaum Leute da. Es gibt ein großes Haupthaus in dem ein Souvenir-Shop, ein Restaurant, ein Museum und ein Kino sind. Dahinter befindet sich dann die bekannte Weltkugel, die den nördlichsten (per Auto erreichbaren) Punkt der Welt kennzeichnet. Es war ein verrücktes Gefühl dort zu stehen. Einerseits natürlich weil es ein besonderer Ort ist, aber vor allem weil wir gemerkt haben, dass es ab jetzt wieder zurück geht. 🙂 Fast unvorstellbar, dass wir dort dem Nordpol um einiges näher waren und noch sind, als Zuhause! Nachdem wir an der Weltkugel standen, haben wir uns mit einem Gösser in den warmen Aufenthaltsbereich mit Blick auf die Kugel gesetzt und das Ganze noch etwas auf uns wirken lassen. Raimund hat übrigens den kompletten Besuch des Nordkaps, trotz eisigen Winds, in Lederhose absolviert, um seinem bayrischen Nationalstolz Ausdruck zu verleihen. 😀

Der Rote Flitzer hat jetzt einen weiteren Aufkleber 🙂

Als wir uns wieder auf den Weg machen wollten, war es doch schon später und dunkler als gedacht, deshalb sind wir auf dem Parkplatz geblieben und haben eine Nacht am Nordkap verbracht.

Gestern ging es dann zum ersten Mal seit Wochen wieder Richtung Süden. Wir sind bei starken Windböen am Nordkap aufgestanden. (Es gibt ein lustiges Video von Raimund beim Zahputz-Wasser ausspucken: Das Wasser ist einfach direkt auf Höhe seines Kopfes im 90 Grad-Winkel weggeweht worden. :-D) Im Laufe des Tages wurde es jedoch schön sonnig und erstaunlich warm. Deshalb haben wir auch kurzerhand im Stabbursdalen-Nationalpark gehalten und waren den restlichen Tag wandern. Es war spannend die Taiga mal zu Fuß zu erleben. Sie ist geprägt ist von niedrigen Kiefern- und Birkenwäldern, Moosen, Gräsern und Flechten. Da haben wir nochmal ganz deutlich gemerkt, dass wir uns in einer anderen Klimazone aufhalten.

Heute geht unsere Fahrt weiter Richtung Kirkenes, einer Stadt Norwegens, die direkt an der russischen Grenze liegt. Dort werden wir Norwegen dann in ein paar Tagen verlassen und nach Finnland fahren.

Liebe Grüße, Franzi & Raimund

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Ein Gedanke zu “Am Ende der Welt

  1. Ingo

    Hallo Ihr beiden im hohen Norden! Ich finde es schon sehr bewegend was Ihr jetzt vom höchsten Punkt Eurer Reise schreibt! Herzliche Gratulation zum Erreichen dieses Zieles! – alles andere mag vorerst emotional etwas verblassen, aber gewiss gibt es noch vieles weiteres Faszinierendes zu entdecken! …und das „Wir waren am Nordkap“ wird Euch niemand mehr nehmen. 😊Gute Reise weiterhin! Ihr seid Spitze! Ingo

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